Corns: Neurectomy an der Zehe beim Greyhound


Wir haben mit unserem Sanyi (Fly Obsession Apollo) den ersten Greyhound der unter den Corns leidet. Von Ausdremeln, rausschneiden, über nacht in Wodkalösung einweichen bis hin zur lokalen Hautchemo haben wir soweit alles durch.

Die derzeit sehr beliebte Behandlungsmethode "Flexor Tenotomy" (Durchtrennung der Beugesehne am Zeh) sehe ich äußerst kritisch. Dabei wird die Beugesehne des betroffenen Zehs durchtrennt. Das Ergebnis sind eine Abstehende Zehe (nach oben), die je nach Aktivität des Hundes zu weiteren Verletzungen führen könnte, wenn er mit diesem Zeh irgendwo hängen bleibt, zudem hat er damit keine "Haltemöglichkeit" mehr, da er den Zeh nicht mehr krümmen kann.

Durch die Veränderung der Zehenstellung wird der Bereich, wo das Corn sitzt, nicht mehr belastet und führt so zum Verringern des Schmerzes. Allerdings wird dadurch das Gang und Stehbild des Hundes verändert und die Ursache, warum das Corn entstanden ist, wurde dadurch nicht behoben.

Beobachtungen bei Hunden, die vor mehr als 1 Jahr dieser Behandlung unterzogen wurden, zeigen, dass sich Corns an gleicher Zehe nur an anderer Stelle bilden, Corns am Nachbarzeh bilden, Corns am gegenüber liegenden Bein bilden (z.B. vorne rechts operiert, bilden sich hinten links Corns).

Da wir bei Sanyi davon ausgehen, dass seine Corns durch den fehlenden Ballenpuffer entstanden sind, würden wir mit dieser OP Methode überhaupt nichts erreichen.

Zumal er an 3 Zehen an 3 Pfoten betroffen ist (beide Vorderpfoten und die linke Hinterpfote).

Ich habe vor einiger Zeit von einer deutschen Greyhoundbesitzerin von der "Neurectomy" erfahren. Sie hat bei ihrem Rüden die Nerven des betroffenen Zehs durchtrennen lassen. Unmittelbar vor dem Ballen, sodass nur der Bereich, wo das Corn liegt, ohne Gefühl wurde.

Also ich davon las, war ich sofort begeistert. Es würde a) das Gangbild nicht verändern, b) dem Hund aber den Schmerz nehmen!

Allerdings habe ich noch etwas gewartet und beobeachtet und von ihren Erfahrungen gelernt. Dann meine Tierärztin darauf angesprochen. Sie kannte die Methode von den Pferden (wo sie eher kritisch zu sehen ist, da man dort das Bein Taub macht, bei uns wäre es ja nur ein Teil der Zehe).

Sie informierte sich und schmökerte Anatomie Bücher und hat sich die OP Methode durchdacht.

Am 02.12. war es dann soweit!

Sanyi wurde am linken Vorderbein operiert - so wäre er dann diagnonal Schmerzfrei, was zu einem deutlich besseren Gangbild führen würde.

Die OP war natürlich eine kleine Bastelarbeit, denn der Bereich der Nerven muss freigelegt werden. Die Nerven identifiziert werden und es muss ein Stück des Nerves herausgenommen werden, damit keine Regeneration mehr möglich ist.

Er lief bereits am gleichen Abend, trotz Verband, als wäre nichts.

Am nächsten Tag trabte er sogar schon. Die Wundkontrolle am Tag danach zeigte eine wunderschöne Wunde ohne Rötungen oder Schwellungen die über das normale Maß hinaus ging.

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Die gesamte Wundheilung war binnen 10 Tagen völlig abgeschlossen.

Bei dem Rüden, von dem ich von der Behandlung erfahren habe, wurden die Schnitte seitlich am Zeh gemacht. Meine Tierärztin hat sich für Oben und Unten am Zeh entschieden. Ein Patent dazu gibt es nicht. Der behandelnde Tierarzt muss entscheiden, was er am sinnvollsten erachtet.

Wir sind auf jeden Fall mega zufrieden und unser Rüde hat deutlich mehr Lebensqualität dadurch erreicht.

Die Corns müssen natürlich weiterhin behandelt werden, denn sie verschwinden dadurch ja nicht einfach. Wichtig sind auch immer kurze Krallen.

Aber nach 3 Monaten kann ich feststellen, dass sich das Corn an der operierten Zehe verändert hat. Es wurde kleiner und flacher und es grenzt sich auch anders vom umliegenden Gewebe ab.

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Wir überlegen, ob wir die rechte Vorderpfote auch noch operieren lassen!

Ich werde weiter berichten.

Hier ein paar Bilder von der OP - das Copyright liegt bei meiner Tierarztpraxis und darf nicht ungefragt verwendet oder gar vom Bild entfernt werden!

Oberseite:

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Unterseite:

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